Die Herz-Jesu Kirche im Ortsteil Münsterbusch

Die Münsterbuscher Herz-Jesu Kirche lädt zum Kunstspaziergang ein. Im Innenraum hat Professor Ludwig Schaffrath seine Visitenkarte hinterlassen. Der international bekannte Glaskünstler schuf Anfang der 80er Jahre sämtliche neuen Fenster.

Die Glasmalereien im Altarraum sind Stolbergs Industrie gewidmet. Dargestellt sind Erze und Mineralien, die einst im Kupferstädter Raum abgebaut und teilweise noch heute verarbeitet werden. Abgebildet sind Schnittdarstellungen von Schalenblende, Eisen, Kupfer, Bergkristall und Silber.

Die gegenüberliegende Seite wird von den vier Elementen dominiert. Fortgesetzt wird Schaffraths Symbolsprache in den Fenstern der Sakristei. Die mit Prismen und orangefarbenen Bändern gestalteten Ornamente entstanden in Zusammenarbeit mit dem japanischen Künstler Naomi Kawabe.

Geboren wurde Ludwig Schaffrath 1924 in Alsdorf. Der Experte, der in den USA, Australien, Japan und Großbritannien lehrte, gilt als einer der bedeutendsten Glaskünstler der Gegenwart. Schaffrath liebt das Spiel mit den Formen. Dynamik wird erzeugt durch ein Aufbrechen und Verzahnen der Formen. Eine Vielfalt, die auch in der Herz-Jesu Kirche zum Tragen kommt.

Eine Rolle spielten die Münsterbuscher Kirchenfenster bei Ludwig Schaffraths 75. Geburtstag. Das Gotteshaus an der Prämienstraße musste als Fernsehstudio herhalten.

Die farbenprächtigen Glasbilder im Atrium, dem einstigen Haupteingang, stammen teilweise aus der alten Kirche. Der Mönchengladbacher Künstler Josef Höttges hat sie Anfang der 50er Jahre entworfen. Technisch realisiert hat sämtlich Glasarbeiten die Firma Dr. Heinrich Oidtmann in Linnich.

Die Liste der sakralen Kunstwerke ist lang. Der Kupferstädter Ludwig Mohnen ist genauso vertreten wie Thea Schneiders aus Aachen oder Peter Bücken aus Kohlscheid. Bemerkenswert ist der Gobelin mit der Darstellung des heiligen Josef. Der Schutzpatron hat auf dem Dach einer Münsterbuscher Firma – vermutlich der ehemaligen Zinkhütte – Platz genommen. Um die Ausgestaltung des Altarraumes kümmerten sich der Goldschmied Peter Bücken und die Firma Grünzig. Von der Inneneinrichtung der alten Kirche haben Kreuzwegstationen und Bildhauerarbeiten überlebt. Eine besonders schöne Arbeit ist die um 1908 entstandene Skulptur des heiligen Michael. Sie steht neben dem Taufbrunnen. Ins Auge fallen die vier Kreuzwegstationen. Die im Stil der Nazarener gemalten Leidensdarstellungen wurden Ende der 90er Jahre von Kirchenvorstandsmitglied Hubert Kaussen restauriert. Die Nazarener waren eine in Rom tätige deutsche Künstlergemeinschaft des 19. Jahrhunderts, die sich einer religiös-patriotischen Kunst verpflichtet fühlten.

Gebaut wurde die Herz-Jesu Kirche in den Jahren 1899 bis 1901. Der im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts entstandene frühere Büsbacher Ortsteil demonstrierte mit dem Bau eines eigenen Gotteshauses seine Selbstständigkeit. Arbeiter der benachbarten Hüttenwerke betätigten sich als Maurer und Zimmerleute.

Nach Kriegszerstörungen und Wiederaufbau erfolgte Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre die Sanierung. Unter der Leitung des Architekten Matthias Kleuters wurde die Herz-Jesu Kirche entkernt und umgestaltet.

Wer den schmucken Backsteinbau besichtigen möchte, wird gebeten, sich beim Küster Tel. 02402 / 26427, anzumelden.