St. Josef im Ortsteil Werth

Die Pfarre St. Josef feierte ihren 50. Geburtstag: am 1. Januar 1953 wurde das bis 1972 zur Gemeinde Gressenich gehörende Werth selbstständige Pfarrgemeinde. Wichtige Bestandteile der Pfarrgeschichte sind die Entwicklung von Kirche und Kapelle. Werths erste Kirche war ein Provisorium. Als Gotteshaus diente der so genannte Drei-Kaiser-Saal der Gaststätte Kerres (heute Werther Hof). Gekrönt wurde das Bauwerk von einem Glocken-Türmchen.

Dem Aufbauwillen der Werther Bevölkerung ist es zu verdanken, dass im Jahre 1949 aus den Überresten des kriegszerstörten Saales eine neue Kirche entstand. Das Baumaterial lieferte ein benachbarter Steinbruch. Als Arbeitskräfte stellten sich unentgeltlich Männer des Dorfes zur Verfügung.

Die Ausstattung von St. Josef ist schlicht. Zu den Besonderheiten zählen die Kirchenfenster und die sakralen Gegenstände. Die als Kreuzornamente in den Farben blau / rot ausgeführten Fenster sind die Werke des Glaskünstlers Anton Wendling (1891 bis 1965). Anton Wendling, der Anfang der 50er Jahre gemeinsam mit Walther Benner die Chorfenster des Aachener Doms gestaltete, war ein Vertreter der sogenannten Klassischen Moderne. Für seine Arbeiten bevorzugte Anton Wendling stark strukturiertes farbiges Echtantikglas. Die Beschaffenheit des Materials und die harte Linie der Bleirute kamen dem vom Expressionismus geprägten Formwillen entgegen.

Den Kreuzweg in Bronze und den Tabernakel hat der Kupferstädter Goldschmied und Graveurmeister Ludwig Mohnen (1910 bis 1976) geschaffen. Ins Auge fällt die Tabernakeloberfläche. Die Halbedelsteine sind in oxydiertem Silber gefasst. Der Rahmen und die Ranken sind vergoldet.

Den Kirchenschatz bildet ein alter Kelch und eine mehrstufige Monstranz. Von den Schrecken des Krieges erzählt eine Ikone. Das Marienbild, das aus der ersten Kirche stammt, besitzt mehrere Einschusslöcher. Veränderungen erfuhr das große Holzkreuz im Chorraum. Der Werther Bürger Josef Braun schmückte Anfang der 80er Jahre das Kreuz mit Kupfer und Bergkristallen.

An die Anfänge der Heimbach-Bruderschaft erinnert ein Pilgerkreuz, das sich auf der rechten Chorseite befindet.

Eine kulturhistorische Besonderheit ist die Kapelle an der Ecke Dorfstraße / Grenzweg. Werths erste Kapelle entstand Mitte der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts. Zuvor hatte ein Holzkreuz die Gebetsstätte geschmückt. 1928 wurde die Kapelle erneuert und nach Kriegszerstörungen 1956 in unveränderter Form wieder aufgebaut. Die Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes ist dem Andenken der Kriegstoten gewidmet. Die aus Holz gefertigte Pieta stammt vermutlich aus dem Jahre 1820.