St. Lucia an der Stolberger Burg

In der alten Burgkapelle lagert ein Vermögen. Gläubige, Burgbesitzer und Priester sorgten für eine reichhaltige Ausstattung. Zum Kirchenschatz der heutigen Kirche St. Lucia gehören sakrale Gegenstände, Messgewänder, Fenster, Bücher und Skulpturen.

Das Entstehungsjahr der Oberstolberger Pfarrkirche ist unbekannt. Die erste zeichnerische Darstellung stammt aus dem Jahre 1548. Eine bescheidene Kapelle schmiegte sich damals an den Burgfelsen. In der Folgezeit wurde die kleine Kirche mehrmals erweitert. Als Gotteshaus eines Kapuzinerklosters schrieb das Gebäude im 18. Jahrhundert Geschichte.

Seine heutige Gestalt erhielt St. Lucia Mitte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich war die Kirche der Dreifaltigkeit geweiht. 1802 wurde das Patronat geändert. Die Heilige Lucia, die Jungfrau aus Syrakus, war fortan die Patronin. Möglicherweise steht die Änderung des Patronates in Verbindung mit der Krankheit Ruhr. In der Vergangenheit wurde die Kupferstadt mehrmals von der todbringenden Seuche heimgesucht. Rettung versprach eine Wallfahrt zu der im vierten Jahrhundert gestorbenen Märtyrerin.

Blickfang sind die Fenster. Die Glasbilder gehören unterschiedliche Stilrichtungen an. Der Querschnitt reicht vom Historismus bis hin zur Avantgarde. Die jüngsten Malereien entstanden 1970, die ältesten 1891. Die Szenen aus der Apostelgeschichte hat Ch. Schneider entworfen. Sie sind das Jungwerk des aus Stolberg stammenden Künstlers. Zwei Löwen – vermutlich Symbole des Herzogtums Jülich – schmücken das Rundbogenfenster am Aufgang zur Katzhecke. Entstanden ist das Glas in der an der Zweifaller Straße gelegenen „Johannis-Hütte“. Farbige Ornamente prägen die Arbeit der Aachener Glasmalerin Maria Katzgrau (1912 bis 1998). Das 1970 bei Oidtmann in Linnich gefertigte Fenster kann in der Sakramentkapelle bewundert werden.

In Tresoren sicher gelagert, verbergen sich sakrale Gegenstände. Von Interesse sind nicht nur die Entstehungsjahre sondern auch die Hintergründe. So mussten beispielsweise zur Herstellung des barocken „Kapuziner-Kelches“ zwei Silberleuchter eingeschmolzen werden. Oder die 1919 gestohlene neugotische Monstranz, die den Einbrechern nur Unglück brachte. Einer der Täter wurde bei einem Fluchtversuch erschossen.

Geheimnisvoll ist ein 1724 entstandenes Kunstwerk. Das Kreuz diente beim Besuch Sterbender oder Kranker der Aufnahme von Öl und Hostien. Für eine Vermehrung des Schatzes sorgte Pfarrer Roland Ritzefeld (Pastor von 1840 bis 1900). Anlässlich von Jubiläen schenkte ihm die dankbare Pfarrgemeinde kostbare Raritäten.

Im Außenbereich hat der Teufel seine Hand im Spiel. Er trägt die Kirchenbesucher in ein Buch ein. Dargestellt ist der Fürst der Finsternis auf einer Kalksteinsäule. Sie befindet sich außen vor dem Hauptportal. Professor Burger aus Aachen hat 1908 den Satan und seinen Begleiter den Hahn geschaffen.