Stadtporträt

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Die Kupferstadt

Historische Gassen am Fuße einer spätmittelalterlichen Burg, vielfältige Kupferhöfe der Frühen Neuzeit, viel Grün und Wald, aber auch Hochtechnologie mit Weltruf prägen Stolberg. Die im Dreiländereck von Deutschland, Belgien und den Niederlanden gelegene Stadt zählt fast 60.000 Einwohner in 16 Stadtteilen. Am Rande der Nordeifel gelegen, bietet sie ihren Gästen und Bürgern eine reizvolle Mischung aus historischen Bau- und Industriedenkmälern, erholsamen Naturlandschaften, kulturellen und sportlichen Angeboten und moderner Wohnqualität.

Die Kupferstadt Stolberg ist eine Stadt mit fast 900jähriger Geschichte. Ihre erste urkundliche Erwähnung ist für das Jahr 1118 nachgewiesen. Auf das 12. Jahrhundert geht auch die Gründung der Burg zurück, die auf Kalkfelsen hoch über der Stadt erbaut wurde und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach ihr Äußeres verändert hat. Sie ist das sichtbare Wahrzeichen der Stadt.

Warum Kupferstadt?

Stolberg wird seit Jahrhunderten als Kupferstadt bezeichnet. Was Stolberg in historischer Zeit besonders machte, war jedoch nicht das Kupfer, von dem es keine geologischen Vorkommen gibt, sondern Galmei. Dies ist ein Zinkerz, in dem vor allem das Mineral Smithsonit enthalten ist, mit der chemischen Formel Zn[CO3]. Es ist ein äußerst selten vorkommendes Mineral, das im Stolberger Raum für Jahrhunderte wirtschaftliche Grundlage für viele Menschen war. Galmei wurde zusammen mit Kupfer zu Messing verarbeitet, durch das Stolberg einstmals weltbekannt war.

Der städtische Beiname beruht auf einer umgangssprachlichen Gepflogenheit, die noch im 18. Jahrhundert üblich war und sich aus dem hiesigen Sprachgebrauch ergab. Der schon im Mittelalter verbreitete Begriff Messing für die in Stolberg produzierte Legierung aus Kupfer und Zink fand hier erst spät Verbreitung. In Stolberg nannte man auch das Endprodukt aus der Kupferschmelze einfach Kupfer, denn der Prozess der Legierung war nicht als solcher erkannt, sondern als Einfärbung verstanden worden. Wollte man die Veredelung sprachlich konkretisieren, sprach man von Rotkupfer und Gelbkupfer. Das Galmei als Erzgestein mit dem notwendigen Anteil an Zinkoxiden fand sich hier im Stolberger Raum zu Genüge und wurde mittels importierten Kupfers zum weltweit begehrten, goldglänzenden Messing verarbeitet. Immer, wenn in Stolberg von Kupfer, Kupfermeistern und Kupferhöfen die Rede ist, sind also die Vorgänge rund um die Herstellung und Verarbeitung von Messing gemeint.

Die Kupferstadt Stolberg ist somit die älteste Messingstadt der Welt, wo seit fünfhundert Jahren ohne Unterbrechung Messing verarbeitet wird – in den Anfängen in frühneuzeitlichen Manufakturen, seit zweihundert Jahren in industriellen Betrieben.

Stolbergs Geschichte: Metallgewerbe und Industrie

Die Entwicklung des Stolberger Raumes als Standort metallurgischen Gewerbes begann bereits im 14. Jahrhundert. Begünstigt wurde dies durch Bodenschätze wie Eisenerz- und Galmei-Vorkommen sowie durch die Wasserkraft der Bäche im Vichtbachtal und benachbarten Tälern. In der Umgebung aufgefundene Eisenschmelze und Siedlungsreste aus der Frühzeit der christlichen Zeitrechnung belegen Stolbergs jahrhundertealte Tradition als Zentrum der Metallherstellung und Metallverarbeitung.

Doch erst mit neuen Burgherrn aus den Häusern Nesselrode und Efferen entstand ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Eisen- und Messinggewerbe. Sie etablierten dies systematisch, so dass Stolberg schon bald als Kupferstadt bekannt wurde. Das goldglänzende Messing begünstigte Stolbergs Entwicklung nicht nur, sondern begründete sie.  Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde mit dem Zuzug von Kupfermeistern aus Aachen der Grundstock für eine Hochblüte des Messinggewerbes gelegt, die spätestens im 18. Jahrhundert zu einer westeuropäischen Monopolstellung der im Stolberger Raum ansässigen Messingproduzenten führen sollte. Die Herstellung und Verarbeitung von Kupferlegierungen ist in Stolberg auch heute noch ein bedeutender Wirtschaftszweig. Etwa 300.000 Tonnen Kupferlegierungen verlassen jährlich unsere Kupferstadt und finden als Halbzeug, also für die Weiterverarbeitung vorgesehene Bleche, Bänder, Drähte und Stangen, weltweiten Absatz.

Auf Basis der Erzlagerstätten und der in nächster Nähe gelegenen, bauwürdigen Steinkohleflöze entwickelte sich ab 1830 im Bereich Aachen, Stolberg und Eschweiler eine der ersten Industrielandschaften auf deutschem Boden, die in Stolberg maßgeblich von der damals neu entstandenen Zinkindustrie, von Blei- und Glashütten sowie von einem Betrieb der chemischen Sodaherstellung geprägt wurde. In alle Welt wurden Stolberger Produkte exportiert: Gläser, Spiegel, Zinkornamente, Messingwaren, Seifen und Waschmittel, Nadeln, Knöpfe, Maschinen und einiges mehr. Innovativ waren Stolberger Unternehmen schon immer. Bereits vor einhundert Jahren wurde in Stolberg die Erfindung des Druckknopfs wesentlich verbessert, so dass er reif wurde für seinen weltweiten Erfolg bis heute. Von hier aus wurde 1946 erstmals ein deutsches Penicillin-Präparat in den Markt eingeführt, das in den Nachkriegsjahren dringendst gebraucht wurde.

Stolberg heute

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Die Kupferstadt Stolberg entwickelt sich zunehmend von einer Industriestadt zu einem modernen und umweltfreundlichen Siedlungsraum im Grünen mit einem ausgeprägten Profil als Tourismus- und Dienstleistungsstandort.

Dass vielerorts in Stolberg Fabriken und Industrieanlagen lagen, ist heute fast nicht mehr erkennbar. In den letzten einhundert Jahren wurden viele Betriebe geschlossen und wichen Neubauten oder Grünanlagen. Neben der Messing- und Kupferindustrie beherbergt die Stadt aber noch eine Vielzahl weiterer Unternehmen von überregionaler oder weltweiter Bedeutung.

‚Klasse statt Masse‘ könnte das Motto lauten nach der Produktpalette der ansässigen Firmen. Hier wurden die Marken des Herrenduftes „Tabac Original" und des Waschmittels „Dalli" auf ihren Siegeszug durch die Welt geschickt, außerdem entstehen hier Rohlinge der deutschen Euromünzen.

Alle Betriebe, auch die Glashütte St. Gobain und das Bleiwerk Berzelius, produzieren nach modernsten Methoden. Die nach dem QSL-Verfahren arbeitende Stolberger Bleihütte gilt in Fachkreisen mittlerweile als Musterbetrieb umweltverträglicher Bleiverhüttung. Bis heute tragen die großen Stolberger Unternehmen aus den Bereichen Metallverarbeitung, Glas, Pharma- und Hygienewaren entscheidend zum technischen Renommee bei ‚Insidern‘ und zum wirtschaftlichen Stellenwert und der Kupferstadt bei.

Gute Gründe, Stolberg näher kennenzulernen

Während vor allem im Norden der Stadt die Besiedlung eng und die Verkehrswege engmaschig sind, befinden sich im Stolberger Süden weitläufige, bewaldete und abwechslungsreiche Erholungszonen mit zahlreichen Naturschutzgebieten mit teilweise besonderen Biotoptypen und Lebensarten, die den Stolbergern und ihren Gästen ein attraktives Freizeit- und Erholungsangebot bieten.

Wehebachtalsperre1
In den waldreichen Gebieten rund um die Wehebachtalsperre in Schevenhütte befindet man sich schon im Naturpark Nordeifel. Die Naturschutzgebiete Schlangenberg oder das Münsterbachtal (Indetal) sind bei Erholungssuchenden und Botanik-Fans längst bekannte Ziele. Ein wichtiges Highlight unter den zahlreichen Wanderwegen der Region ist der Eifelsteig, einer der ‚Top-Trails of Germany‘, der auf 300 Kilometern durch eindrucksvolle Naturräume in der Wanderregion Eifel-Ardennen von Aachen nach Trier führt. Über die etwa 16 Kilometer lange Kupferroute ist der Premium-Wanderweg vom Stolberger Alten Markt im Zentrum der Altstadt aus bis Aachen-Kitzenhaus in maximal fünf Stunden erwandert.

Neben der Innenstadt von Stolberg prägen 15 weitere Stadtteile das Leben der Stadt und zeigen nicht selten einen dörflichen Charakter. Die historischen Bauwerke und Straßenzüge in Büsbach, Dorff, Venwegen, Vicht, Zweifall oder Alt Breinig besitzen viel Ursprünglichkeit und historisches Flair. Mit über 800 eingetragenen Baudenkmälern hat die ganze Kupferstadt eine hohe Dichte interessanter, historischer Bausubstanz.

Die Burg, Kirchen, Kupferhöfe, Kupfermühlen, Reitmeisterhöfe, Bauernhöfe und natürlich viele Einzelhäuser zeigen Stolbergs Baukunst seit dem 16. Jahrhundert. Die landschaftlichen Reize, die historisch geprägten Stadtteile, günstige Grundstückspreise und gute Verkehrsverbindungen – all das mach den hohen Wohnwert Stolbergs für junge und ältere Menschen aus.

Auf Entdeckungstour – geführt oder selbständig durch die Kupferstadt

Die Kupferstadt Stolberg ist sich ihrer spannenden und überall greifbaren Geschichte sehr bewusst. Wir unternehmen vieles, um Ihnen die Geschichten rund um Burg und Burgherren, Kupferhöfe und Kupfermeister oder Galmei und Galmeiveilchen lebendig und kurzweilig zu präsentieren.

Zinkhütter Hof_2017_0320

Unsere Gästeführer führen Sie zu vielfältigen historischen Orten und ins nahe Grün um Stolberg. Im Museum für Wirtschafts-, Industrie- und Sozialgeschichte Zinkhütter Hof, das in einer ehemaligen Glas- und späteren Zinkhütte untergebracht ist, können Sie tief eintauchen in die Welt des Gewerbes und der Industrie der Kupferstadt. In dem Museum, das auch als außerschulischer Lernort besonderen Anklang findet, lernen Groß und Klein die lokale Vergangenheit von Messing, Zink und Stahlnadeln kennen.

Burg von Finkenbergkirche_2_2017_0320

Die Burg als Wahrzeichen ist als Ziel eine besondere Attraktion, da man nicht nur das Gebäude erkunden kann, sondern im Burgrestaurant am Wochenende besonderes Ambiente beim Speisen im alten Gewölbekeller genießen kann. Das ehrenamtlich geführte Museum in der Torburg präsentiert samstags und sonntags Handwerks- und Alltagsgeschichte in besonderem Flair. Von der Burg aus lassen sich natürlich gut die Gassen, Plätze und Kirchen der Altstadt erkunden und beim Spaziergang durch die Stadt viele historische Gebäude und an vielen – oft unerwarteten Stellen – alte Kupferhöfe entdecken.

Kupferhof Rosental_2_2017_0320

In der ganzen Innenstadt finden Sie in Nebenstraßen oder in grünen Park- und Hofanlagen die alten Residenz- und Produktionsstätten der Kupfermeister, die in 400 Jahren mehr oder weniger imposante Bauwerke errichteten.