Reitwerke und Reitmeister-Architektur

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Neuenhammer zwischen Vicht und Zweifall, Foto: F. Holtz.

Bitte machen Sie sich keine falschen Vorstellungen, denn Reitwerke und Reitmeister haben herzlich wenig mit Pferden zu tun. Die beiden Begriffe entstanden im vorindustriellen Eisenhüttengewerbe, da man die Erze aufbereiten und das Eisen zubereiten musste. Wenn von Eisenhütten die Rede ist, stellt man sich, entsprechend heutiger Denkmuster, riesige Anlagen, Industriebrachen oder ein großartiges Industriedenkmal vor. Im Falle des  vorindustriellen Eisenhüttengewerbes ist auch diese Vorstellung völlig falsch.

Die früheren Reitwerke und Wohnhäuser der Reitmeister liegen in grüner, landschaftlich reizvoller Umgebung und bilden in den Bereichen Schevenhütte, Vicht und Zweifall pittoreske, idyllische Architekturelemente.

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Reitmeisterhaus in Zweifall, Foto: F. Holtz.

Auf der Basis der heimischen Eisenerzlagerstätten wurde bereits im 13. Jahrhundert in der Gegend um Stolberg (insbesondere im oberen Vichttal) Eisen verhüttet.

Das Eisenhüttengewerbe erlangte im Stolberger Raum durchaus überregionale Bedeutung. Eine gewisse Rolle spielte u.a. die Herstellung von Nägeln jeglicher Art. Das Schmieden der Nägel erfolgte in Heimarbeit und wurde überwiegend von den im Tal ansässigen Bauern im Nebenerwerb betrieben, wobei die Reitmeister geschnittene Eisenstreifen als Rohmaterial lieferten und ebenfalls für den Vertrieb der Fertigware zuständig waren.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts begann Jeremias Hoesch, Sohn eines Stolberger Kupfermeisters, die stark zersplitterten Eisenhüttenkonzessionen im oberen Vichttal aufzukaufen, die Aktivitäten auf dem Junkershammer zu konzentrieren und brachte das Vichttaler Eisenhüttenwesen nahezu gänzlich in seinen Besitz. Besagter Jeremias kann als Stammvater der Hoesch-Dynastie gelten, die später im Ruhrgebiet den gleichnamigen Weltkonzern gründete.

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Frischöfen am Neuenhammer, Foto: F. Holtz.