Walddorf und Tor zur Eifel

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Walddorf Zweifall, Foto: B. Engelen.

Bezüglich seiner Lage und seiner Infrastruktur ist  der im oberen Vichttal gelegene Stadtteil Zweifall – zusammen mit dem Nachbarort Vicht – bestens als naturnahes, aber höchst komfortables „Basislager“ zur Erkundung der näheren und weiteren Umgebung geeignet.

Während die Bezeichnung „Walddorf“ auch heute noch seine erkennbare Berechtigung hat, könnte sich Zweifall (und auch Vicht) ebenso gut auch „Eisendorf“ nennen, denn das seit dem 13. Jahrhundert hier ansässige Eisenhüttengewerbe ist für die Entwicklung des „Walddorfes“  über Jahrhunderte bestimmend gewesen. Der anstehende Vichtaler Eisenstein war nicht nur Basis und Grundstoff für die Eisenverhüttung, sondern wurde auch als Baumaterial der typischen Reitmeisterhäuser genutzt, wobei die Fenster- bzw. Türeinfassungen häufig und die Eckquader der Mauerkanten gelegentlich in Blaustein ausgeführt sind.

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Foto: F. Holtz

Eisen- sowie auch andere Metallhütten waren mit Waldwirtschaft eng verknüpft, da man zur Verhüttung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Holzkohle in großen Mengen benötigte, die vorwiegend aus Buchenholz gebrannt wurde. Wie überall in der Eifel erzählen auch in der Umgebung von Zweifall und Vicht zahlreiche Meilerplatten (sorgfältig eingeebnete, kreisförmige Geländeformen) von der Tätigkeit der Köhler, die in einfachsten Köhlerhütten, fernab von Haus und Familie, oft wochenlang im Wald tätig waren.

Als zu Anfang des 19. Jahrhunderts die kostspielige Holzkohle in der Metallurgie durch den Einsatz von Koks entbehrlich wurde, änderte sich auch die Bewirtschaftung des Waldes. Aber diese spannende Geschichte wird im Museumssägewerk Zweifall erzählt.

Unmittelbar vor diesem Museum beginnt auch ein etwa 4 km langer beschilderter Waldlehrpfad, an dessen weiterem Verlauf eine beeindruckende Gruppe von mächtigen Douglasien zu finden ist. Diese in Europa während der letzten Eiszeit ausgestorbene Baumart wurde im späten 19. Jahrhundert aus Nordamerika wieder angesiedelt und scheint sich hier offenbar sehr wohl zu fühlen.

Nach einem Museumsbesuch oder nach beendeter Waldlehrpfad-Runde lässt sich die Rückkehr nach Hause buchstäblich auf die „lange Bank“ schieben, denn im Sommer 2010 wurde in unmittelbarer Nähe des Museums die weltweit längste Bank mit Rückenlehne aufgestellt, die aus einem 130 Jahre alten Douglasienstamm gefertigt wurde und eine Länge von stolzen 34 Metern aufweist.

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Foto: R. Jansen.

Die in früherer Zeit empfundene bzw. tatsächliche Abgeschiedenheit des Walddorfes manifestiert sich in der Volksmythologie durch den Umstand, dass in Zweifall erstens eine Vielzahl von Hexensagen erzählt wurde, und dass zweitens die Zweifaller Hexen in den Erzählungen der ganzen Region einen Sonderstatus inne hatten. Zusammenkünfte von Hexen, so wird erzählt, konnten nämlich erst dann beginnen, wenn die Zweifaller Hexengesellschaft anwesend war.