Das Wappen der Kupferstadt Stolberg (Rhld.)

Stadtwappen Stolberg

Das Stadtwappen

Das Stolberger Wappen zeigt einen roten, mit goldenen Schindeln bestreuten Schild, darin einen aufgerichteten, nach rechts springenden und blau bewehrten weißen bzw. silbernen Löwen, der mit einem schwarzen Turnierkragen überlegt ist. Der Turnierkragen, auch Bank, Steg oder Brücke genannt, besitzt die Gestalt eines abwärts gezinnten Balkens mit fünf Zinnen oder Lätzen. Die Anzahl der Steine ist nicht festgelegt, meist werden 12 oder 14 abgebildet. Die blaue Bewehrung, das heißt die blau gefärbten Krallen, wird in jüngsten Aufrissen meist nicht dargestellt. Einen Helm besitzt das Stadtwappen als Wappen eines nicht-kämpfenden Trägers, wie Städte es sind, nicht und auch besitzt das Stadtwappen keine Rang- oder Stadtkrone.

Es zeugt vom historischen Sinn der Stadtverwaltung, dass sie sich 1880 für dieses Wappen entschied. Es geht zurück auf das Wappen eines ehemaligen Burgherrengeschlechts. Begründet wurde die Herrschaft Stolberg im 12. Jahrhundert von den Herren von Stalburg. Das älteste bekannte Burgherrenwappen ist jedoch das derer von Frenz, die im 13. Jahrhundert in den Besitz kamen. Als Vasallen der Limburger Grafen führten sie eine Abwandlung deren Wappens, das auf silbernem/weißem Schild einen roten Löwen trägt.

Stadt ohne Wappen

Im ‚Stolberger Anzeiger‘ vom 3. Juli 1878 berichtete der damalige Bürgermeister Friedrich von Werner von seinen Bemühungen, für die Stadt ein würdiges und passendes Wappen ausfindig zu machen, da das Fehlen eines Stadtwappens bereits des Öfteren unangenehm aufgefallen sei.

Besonders unangenehm sei der Mangel bei regionalen und größeren nationalen Veranstaltungen gewesen, wo die Wappen zur Ausschmückung der Festräume dienten und gewissermaßen die Städte repräsentieren sollten. Wörtlich ist beschrieben, dass „dies beispielsweise noch vor kurzem bei der am 26. September vorigen Jahres in Köln stattgefundenen Enthüllungsfeier des Denkmals Königs Friedrich Wilhelm III. der Fall [war], wo fast alle Städte der Rheinprovinz durch ihre Wappen auf dem Festplatze vertreten waren, dem Verwaltungsausschuss für die Errichtung des Denkmals auf sein Ersuchen wegen Mitteilung des Wappens von Stolberg aber erwidert werden musste, dass die hiesige Stadt überhaupt nicht im Besitze eines Wappens sei.“

Von Werner erzählt weiter, dass er ein Siegel, die göttliche Dreifaltigkeit darstellend, das er an vielen alten Urkunden fand, als Stadtwappen übernehmen wolle. Die Königlich-preussische Regierung lehnte jedoch die Verleihung nach Rücksprache mit dem Königlichen Staats-Archiv in Düsseldorf mit folgender Begründung ab: das fragliche Siegel sei nicht - wie von Werner annahm - das Stolberger Gemeindesiegel gewesen, sondern das Siegel des zur Jülicher Herrschaft gehörenden Schöffengerichtes zu Stolberg, das von der Gemeindeverwaltung Stolberg unabhängig war, so dass eine historische Begründung zur Führung des betreffenden Schöffensiegels als Stadtsiegel nicht erbracht werden könne. Ferner weiche es vom heraldischen Brauch ab, die heilige Dreieinigkeit in einem Stadtwappen zu führen. Dies könne religiöse Gefühle verletzen, argumentierte man damals.

Löwe oder Dreifaltigkeit?

Das Staatsarchiv schlug dem Bürgermeister von Werner deshalb vor, dass die Stadt eher das Wappen der alten Dynasten von Stolberg als ihr Wappen annehmen möchte, so das Wappen der Edelherren von Stolberg-Frenz-Setterich, das sich unzweifelhaft aus entsprechenden Urkunden der Jahre 1287, 1304, 1331 und 1335 ergebe. Dieser Vorschlag wurde von der Stadt Stolberg angenommen und erhielt im Jahre 1880, 24 Jahre nach der Verleihung der Stadtrechte, Rechtswirksamkeit durch "Allerhöchste Kabinettsordre" des Königs von Preußen. Die Herren von Frenz waren aus dem Limburgischen Grafen- bzw. späteren Herzoghaus hervorgegangen. Als Wappen hatten sie den Limburger Löwen übernommen.

Ein wenig Heraldik

Der Löwe ist neben dem Adler das am häufigsten verwendete Wappentier des Mittelalters. In der mittelalterlichen Symbolik, deren Hauptquelle eine kleine lateinische Schrift, der "Physiologus" ist, gilt jedes Tier als Sinnbild bestimmter Eigenschaften. Der Löwe ist das Sinnbild des Mutes und der Stärke, der Adler das Sinnbild des Reichtums und der Freigiebigkeit. Nur dienende Tiere wurden für gewöhnlich in ein Wappen aufgenommen. Das heißt, Nutztiere waren nicht edel genug als Sinnbild einer Herrschaft.

In der Rangordnung der Tiere, die ebenfalls bis ins 18. Jahrhundert hinein eine große Rolle spielt, steht der Löwe sehr hoch wie alle wilden Tiere, die dem Menschen nicht dienstbar sind. Zur heraldischen Unterscheidung ihres Hauses von dem limburgischen Stammgeschlecht fügten die Herren von Frenz nach damaligem Brauch dem limburgischen Löwen Attribute bei: den gezinnten Balken, der in der Heraldik Turnierkragen genannt wird, und die kleinen Steine, die auch Schindeln genannt werden. Beide Attribute, sowohl Schindeln wie Turnierkragen, sind besonders in der rheinischen Heraldik sehr häufig angewandte Unterscheidungszeichen für jüngere Nebenlinien älterer Geschlechter.

Man nimmt an, dass der Turnierkragen nicht nur in den Wappen, sondern auch persönlich als kragenförmig geschnittenes Tuch mit einzelnen abhängenden Lätzen von den Nachgeborenen und deren Familien getragen wurde. In Schilden und Wappen treten die Turnierkragen schon sehr früh auf, anfänglich oft kragenartig gebogen, dann immer in der gleichen stilisierten Form als Balken mit hängenden Lätzen. Meist steht der Turnierkragen im Wappenhaupt, seltener in der Mitte des Wappenfeldes. Dort würde im Stolberger Wappen schließlich sonst der Löwenkopf unschön verdeckt. Die Anzahl der Lätze eines Turnierkragens schwankt meist zwischen drei und sieben. Bei den Herren von Frenz waren es fünf Lätze.

Das zweite Unterscheidungsmerkmal sind die goldenen Steine. Sie werden - wie andere ebenso klein gewählte, nur als Beizeichen Sinn tragende Figuren, z. B. Kreuzchen, Hermelinschwänze, Linien, Sterne oder Kronen - über die freien Stellen des Wappenfeldes verstreut. In der Heraldik spricht man dann, ohne Definition einer Zahl, vom bestreuten Feld. Im Stolberger Wappen sind es meist zwölf oder vierzehn. Die manchmal geäußerte Deutung, es handle sich um Galmei- oder Erzbrocken ist zwar schön, aber heraldisch und historisch unhaltbar. Sprechende Wappen sind bei alten Adelsgeschlechtern fast nie zu finden, bei den nicht-adligen Kupfermeistergeschlechtern Stolbergs dafür umso häufiger.

Stadtwappen heute: für Bürger

Sehr viele Städte und Gemeinden in der Städteregion Aachen und darüber hinaus tragen in ihrem Wappen den Jülicher Löwen: in schwarz auf goldenem/gelbem Grund. Weite Teile des Niederrheins und der Nordeifel hatten über Jahrhunderte zu ihrem Machtbereich gehört, was sich somit in ihren Stadtwappen niederschlägt. Auch die Stadt Stolberg gehörte über vier Jahrhunderte zum Herzogtum Jülich, trägt aber eine Abwandlung des Wappens der Limburger, Kontrahenten der Jülicher Grafen im hohen Mittelalter.

Seit 2015 stellt die Kupferstadt Stolberg ihren Bürgern ein eigenes ‚Bürgerwappen‘ als moderne Gestaltung basierend auf dem historischen, städtischen Wappen zur Verfügung. Damit kann jeder Stolberger Bürger, jeder Stolberger Verein und jedes Stolberger Unternehmen mit dem weißen Löwen auf rotem Grund die Verbundenheit mit der Heimat bildlich unterstreichen.