Geschichtliches

St.Lucia

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung Stolbergs ist für das frühe 12. Jahrhundert nachgewiesen. Die Stadtteile entwickelten sich teils wohl nicht sehr viel später, manche aber auch erst vor zwei Jahrhunderten. Archäologische Funde in den Stadtteilen Gressenich,  Atsch und Breinigerberg weisen sogar auf römischen und keltische Besiedlung mit Erzbergbau hin.

Die Entwicklung des Stolberger Wirtschaftsraumes ist über Jahrhunderte ganz entscheidend durch den Abbau und durch die Nutzung von Erz und Kohle geprägt worden. Im Bereich der Erzlagerstätten, die sich hauptsächlich im Süden des Stadtgebietes befinden, können keltische Schürftätigkeiten als wahrscheinlich und Bergbauaktivitäten zu römischer Zeit als zweifelsfrei belegt gelten. Der römische Erzabbau und das daraus resultierende Metallgewerbe führten zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert zu einer ersten wirtschaftlichen Blüte.

Eine besondere Rolle spielten hierbei die als Galmei ausgebildeten Zinkerze, die zur Herstellung von Messing Verwendung fanden.
Was nach dem Untergang des Römischen Reiches im Stolberger Raum geschah, liegt im Dunkel der Geschichte. Wenigstens die im Ursprung gallo-römischen Namen der Ortsteile Breinig und Gressenich überdauerten diese Jahre ohne Überlieferung.

Von Stalburg zu Stolberg

Das älteste Dokument, das sich auf Stolberg bezieht, nennt im Jahr 1118 einen Reinard von Stalburg als Zeugen in einer Stiftung. In einer Hoch-Zeit der Burggründungen muss er oder ein anderes Familienmitglied Erbauer einer Burg auf dem Kalksteinfelsen inmitten des Stolberger Tals gewesen sein. Nach der üblichen Sitte einer nachnamenlosen Zeit nannte sich das Geschlecht freier Ritter nach ihrer Burg Stalburg. Im Laufe der Jahrhunderte wurde daraus der Stadtname Stolberg.

Die Herren von Stalburg zog es im 13. Jahrhundert als Chorherren nach Köln. Burg und Herrschaft der danach erloschenen Linie wechselten mehrmals die Besitzer, bis der in der Aachener Region aufstrebende Ritter Reinhard von Schönforst um 1370 ihrer habhaft wurde. Sein gleichnamiger Sohn hatte nicht viel Glück im Ränkespiel mit den Territorialherren. Unter Federführung der Stadt Aachen muss von einer ausgeführten Anklage auf Landfriedensbruch und einer Landfriedensexekution gegen Reinhards Burgmannen auf Burg Stolberg ausgegangen werden. Dies bedeutete nichts anderes als eine Belagerung und Zerstörung der Burg im Sommer 1375.
Ende – und Neuanfang

Für siebzig Jahre wurde es still auf dem verwaisten Burgberg. Dem vorläufigen Ende Stolbergs folgte ab 1445 ein Neubeginn, dem sich eine Erfolgsgeschichte anschloss. Inzwischen war die Herrschaft von Stolberg in den Besitz des Herzogtums Jülich-Berg übergegangen.

Ein Vertrauter des Herzogs Gerhard nahm sich des engen Stolberger Tals an und sorgte für die Errichtung einer ersten Eisenhütte nahe seiner neuen Burg: Der Ritter war Wilhelm von Nesselrode, ein wohlhabender Mann. Als Gläubiger des Herzogs und aus dem Bergischen stammend, erkannte er offenbar das Potential des kleinen, aber an Holz, Wasser und Erzen reichen Tals. Er errichtete eine neue Burg als Wohn- und Verwaltungssitz, wie er es auch in anderen Gegenden des Herzogtums durchführte, und setzte ein Metallgewerbe in Gang, das bis heute in Stolberg floriert.

Die spätmittelalterliche Burg war klein, aber festungsartig und komfortabel eingerichtet. Schon 1447 war Stolberg eine eigene Unterherrschaft im Herzogtum. Sie war mit Abstand die kleinste und ihre Herren mussten sich lange behaupten, um im Vichttal ein lebensfähiges Gemeinwesen zu schaffen. Besonders tat sich Hieronymus von Efferen darin hervor. Sein Vater Vinzenz, Spross des uralten Kölner Patriziergeschlechts, hatte die Unterherrschaft 1496 als Lehen erhalten und bereits neben der Eisenverhüttung die Produktion von Messing vorangetrieben – das Metall, das in langem Stolberger Sprachgebrauch als Kupfer bezeichnet in den folgenden Jahrhunderten Stolbergs Schicksal maßgeblich bestimmte und der Stadt ihren Beinamen Kupferstadt einbrachte.

Hieronymus von Efferen führte ab 1518 das Werk seiner Vorgänger fort. Er stärkte nicht nur das Metallgewerbe, sondern unternahm auch große Anstrengungen, die kleine Unterherrschaft durch eigenständige Steuerhoheit, eine Hochgerichtsbarkeit und eigene Pfarrgründung zu konsolidieren. Im 16. Jahrhundert wuchsen die bescheidenen Kupferhöfe und Eisenhütten, die so genannten Reitwerke, stetig und auch ihre Anzahl nahm zu. Die Kupfermeister kamen als ‚Investoren‘ in das bis dahin recht leere Tal, wie auch die Arbeiter, die es aus Eifel und Umgebung für den Broterwerb in die Stolberger Hütten zog. Eine zweihundertjährige Blüte des frühneuzeitlichen Manufakturwesens in Stolberg bewirkten die seit etwa 1600 vor allem aus Aachen kommenden protestantischen Kupfermeister, für die technische Auflagen, Zunftzwang und religiöse Intoleranz der nahen Stadt nicht mehr tragbar waren.

Von Stolberg in die Welt

Der Flecken Stolberg erlangte in der Messingproduktion eine europaweit monopolartige Stellung. Grundlage war das seltene und hier reichlich vorkommende Galmei, ein Zinkerz, das für die Legierung vom roten Kupfer zum goldglänzenden Messing unersetzlich war. Rohmessing, Halbzeug und Gebrauchsgüter wurden vor allem nach Frankreich und in die Niederlande exportiert, aber Stolberger Messing gelangte auch bis nach Westafrika.

Seinen Höhepunkt erreichte das Stolberger Messinggewerbe im frühen 18. Jahrhundert, als es über vierzig Kupfermeister mit ebenso vielen Kupferhöfen im Vichttal gab, dazu kamen viele weitere Kupfermühlen. Allgegenwärtig waren Mühlgräben, Stauweiher, etwa zweihundert rauchende Schlote und ähnlich viele drehende Mühlräder prägten das Bild. Während die Unterherren schon bald nicht mehr auf der Burg ansässig waren, bauten sich die wohlhabenden Kupfermeister prächtige Hofanlagen. Die Altstadt bildete den Siedlungskern, während die Produktionsstätten das ganze Tal dominierten. Denn die Arbeiter wohnten überwiegend außerhalb und verbrachten Sonn- und Feiertage bei ihren Familien.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts etablierten ehemalige Kupfermeister und andere Unternehmer Tuchgewerbe in Stolberg und machten erste Versuche in der Glasherstellung. Die vorhandenen Bodenschätze und die bestehende Infrastruktur bildeten eine geeignete Basis für die Industrialisierung im Stolberger Raum seit dem frühen 19. Jahrhundert. Neben der immer noch breit aufgestellten Messingproduktion entwickelte sich Stolberg zu einem bedeutenden Standort der Herstellung von Zink, Blei, Glas, chemischen Produkten, und auch Steinkohle wurde gefördert.

Die Industrialisierung bewirkte nun eine dynamische Stadtentwicklung: neben Fabriken breiteten sich zunehmend Wohnquartiere aus, da es viele Arbeiter endgültig nach Stolberg zog. Die Siedlung im Talgrund wurde zu einem urbanen Raum, umgebende Dörfer partizipierten an der Entwicklung und neue Siedlungen entstanden im Umfeld der Industriebetriebe. Die Gemeindegrenzen waren seit dem Mittelalter auf das enge Tal und die Hanglagen beschränkt, so dass Bedeutung und Einwohnerzahl den engen Verwaltungsgrenzen weit voraus waren. Die ehemals kleinste Unterherrschaft im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg erhielt vom preußischen Staat im Jahr 1856 Stadtrecht, obwohl Stolbergs Einwohnerzahl mit etwa 6500 Einwohnern zu gering war – ihre wirtschaftliche Bedeutung wog schwerer.

Im 19. Jahrhundert wurde Stolberg ein Industriestandort mit zahlreichen führenden und innovativen Produktionsstätten. Alte Kupferhöfe wurden Keimzellen für Messing-, Zink-, und Bleiwerke, Glashütten und chemische Betriebe mit Seifen- und Pharmaprodukten, die auf ihren Gebieten viele Erfindungen, Patente und Superlative erreichten. Ein rasanter Bevölkerungszuwachs sowie Eingemeindungen der geschichtsträchtigen Nachbarorte 1935 und 1972 machten die Kupferstadt mit heute etwa 56.000 Einwohnern zur größten Kommune der StädteRegion Aachen nach der Kaiserstadt Aachen.